Stablecoins 2025: Die Brücke zu traditionellen Finanzen

Wie Stablecoins die Kluft zwischen Kryptowährungen und traditionellem Finanzwesen überbrücken und welche Rolle die Schweiz in dieser Entwicklung spielt.

Lisa Hartmann
Lisa Hartmann Regulierungs-Expertin
Stablecoins

Was sind Stablecoins und warum sind sie wichtig?

Stablecoins sind Kryptowährungen, die an einen stabilen Wert gekoppelt sind, typischerweise an Fiat-Währungen wie US-Dollar, Euro oder Schweizer Franken. Sie vereinen die Vorteile von Kryptowährungen – schnelle, grenzüberschreitende Transfers, Programmierbarkeit, Transparenz – mit der Preisstabilität traditioneller Währungen. Diese Kombination macht sie zu einem unverzichtbaren Werkzeug im modernen Krypto-Ökosystem.

Im Jahr 2025 hat die Marktkapitalisierung von Stablecoins neue Höhen erreicht. Sie sind das bevorzugte Tauschmittel auf Krypto-Börsen, die Liquiditätsgrundlage für DeFi-Protokolle und zunehmend auch ein Mittel für internationale Zahlungen. In der Schweiz, mit ihrer Tradition stabiler Währungen, wird die Entwicklung von Stablecoins mit besonderem Interesse verfolgt. Die Kombination aus Blockchain-Technologie und stabilen Werten entspricht dem schweizerischen Anspruch an Qualität und Verlässlichkeit.

Die großen Stablecoins: USDT, USDC und ihre Rolle

Tether (USDT) und USD Coin (USDC) dominieren den Stablecoin-Markt mit Marktkapitalisierungen im zweistelligen Milliardenbereich. USDT, ausgegeben von Tether Limited, war der erste weitverbreitete Stablecoin und bleibt der liquideste. USDC, eine Kooperation zwischen Circle und Coinbase, hat sich durch Transparenz und regulatorische Compliance profiliert – Circle veröffentlicht regelmäßige Attestierungen über die Deckungsreserven durch renommierte Wirtschaftsprüfer.

Beide Stablecoins funktionieren nach dem Prinzip der Fiat-Besicherung: Für jeden ausgegebenen Token werden entsprechende Reserven in US-Dollar oder liquiden Äquivalenten gehalten. Diese Reserven garantieren, dass Token jederzeit gegen Fiat eingetauscht werden können. Kritiker weisen auf Risiken hin – die Konzentration von Macht bei den Emittenten, potenzielle Probleme mit den Reserven, regulatorische Unsicherheiten. Dennoch sind diese Stablecoins unverzichtbare Infrastruktur für das Krypto-Ökosystem geworden.

CHF-Stablecoins: Swiss-Made digitale Franken

Die Schweiz, stolz auf ihren stabilen Franken, hat mehrere CHF-Stablecoin-Projekte hervorgebracht. Diese tokenisierten Schweizer Franken bieten Nutzern die Möglichkeit, in einer der stabilsten Währungen der Welt zu operieren, ohne traditionelle Bankkonten nutzen zu müssen. Projekte wie CryptoFranc (XCHF) und Swiss Franc Coin (CHF-Token von verschiedenen Emittenten) arbeiten unter Schweizer Regulierung und bieten volle Fiat-Besicherung.

CHF-Stablecoins sind besonders attraktiv für Nutzer, die Währungsrisiken minimieren wollen. Während die meisten Stablecoins an den US-Dollar gekoppelt sind, bieten CHF-Stablecoins Diversifikation und Zugang zur Stabilität des Schweizer Frankens. Sie werden zunehmend in DeFi-Protokollen akzeptiert und könnten eine Schlüsselrolle bei der Integration traditioneller Schweizer Finanzdienstleistungen in die Blockchain-Welt spielen.

Algorithmische Stablecoins: Lehren aus der Vergangenheit

Algorithmische Stablecoins versuchen, Preisstabilität durch intelligente Vertragslogik zu erreichen, ohne direkte Fiat-Besicherung. Der spektakuläre Zusammenbruch von TerraUSD (UST) im Jahr 2022 hat jedoch die Risiken dieses Ansatzes dramatisch aufgezeigt. Wenn das Vertrauen in einen algorithmischen Stablecoin schwindet, kann eine Todesspirale einsetzen, die den Wert gegen Null treibt.

Im Jahr 2025 sind algorithmische Stablecoins weiterhin Forschungsgebiet, aber mit deutlich konservativerem Ansatz. Neue Designs verwenden Hybrid-Modelle mit teilweiser Besicherung, besseren Governance-Mechanismen und Notfallprotokollen. Die Schweizer Krypto-Community ist skeptisch gegenüber rein algorithmischen Ansätzen und bevorzugt vollständig besicherte Lösungen, die dem Schweizer Prinzip der Solidität entsprechen.

Regulierung von Stablecoins in der Schweiz

Die FINMA hat klare Richtlinien für Stablecoin-Emittenten entwickelt. Je nach Struktur können Stablecoins als Zahlungsmittel, E-Geld oder Wertpapiere klassifiziert werden, mit entsprechenden regulatorischen Anforderungen. Emittenten müssen oft eine Banklizenz oder E-Geld-Lizenz erwerben, was hohe Anforderungen an Kapitalreserven, Governance und Risikomanagement stellt.

Diese strengen Standards garantieren Nutzerschutz, können aber auch Innovation behindern. Die Schweiz sucht das Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Die Tatsache, dass mehrere internationale Stablecoin-Projekte die Schweiz als Standort gewählt haben, zeigt, dass dieser Ansatz erfolgreich ist. Die regulatorische Klarheit ist ein Wettbewerbsvorteil gegenüber Jurisdiktionen mit unklaren oder restriktiven Regelungen.

Stablecoins in DeFi: Das liquide Fundament

Decentralized Finance wäre ohne Stablecoins kaum denkbar. Sie dienen als stabiles Tauschmittel, Sicherheit für Kredite und Liquidität für Handelspaare. Die meisten DeFi-Protokolle nutzen USDC oder DAI (ein dezentraler, überbesicherter Stablecoin) als primäre Assets. Nutzer können Stablecoins in Liquiditätspools einzahlen und attraktive Renditen erzielen – deutlich höher als bei traditionellen Sparkonten.

Diese Renditen kommen jedoch mit Risiken: Smart Contract Bugs, Impermanent Loss bei Liquiditätspools und das allgemeine Protokollrisiko. Schweizer DeFi-Nutzer sind typischerweise risikobewusst und bevorzugen etablierte, auditierte Protokolle. Die Integration von CHF-Stablecoins in DeFi-Plattformen schreitet voran, was Schweizer Nutzern ermöglicht, in ihrer Heimwährung zu operieren und Währungsrisiken zu minimieren.

Grenzüberschreitende Zahlungen mit Stablecoins

Ein Hauptanwendungsfall für Stablecoins sind internationale Überweisungen. Traditionelle Banküberweisungen sind langsam, teuer und intransparent. Stablecoins ermöglichen sofortige, kostengünstige Transfers weltweit. Für Schweizer Unternehmen, die global tätig sind, oder für Expatriates, die Geld in ihre Heimatländer senden, bieten Stablecoins erhebliche Vorteile.

Plattformen wie Circle und verschiedene Fintech-Startups bieten Dienste an, die Fiat-zu-Stablecoin-zu-Fiat-Konversionen ermöglichen. Ein Nutzer in der Schweiz kann CHF einzahlen, die in Stablecoins umgewandelt werden, weltweit transferiert und beim Empfänger wieder in Lokalwährung umgewandelt werden – alles innerhalb von Minuten und zu einem Bruchteil traditioneller Überweisungskosten. Diese Use Cases demonstrieren das disruptive Potenzial von Stablecoins im Zahlungsverkehr.

Zentralbank-Digitalwährungen (CBDCs) vs. Stablecoins

Viele Zentralbanken weltweit, einschließlich der Schweizerischen Nationalbank (SNB), erforschen digitale Währungen (CBDCs). Diese würden direkt von der Zentralbank ausgegeben und repräsentieren staatliches Geld in digitaler Form. CBDCs könnten viele Funktionen von Stablecoins übernehmen, mit dem zusätzlichen Vorteil staatlicher Garantien und rechtlicher Klarheit als gesetzliches Zahlungsmittel.

Die SNB ist vorsichtig bei der CBDC-Entwicklung und betont, dass ein digitaler Franken sorgfältig designed werden müsste, um das bestehende Finanzsystem nicht zu destabilisieren. Während CBDCs und Stablecoins koexistieren könnten, würde eine weit verbreitete CBDC wahrscheinlich den Markt für private Stablecoins beeinflussen. Die Zukunft könnte ein gemischtes System sehen, in dem staatliche und private digitale Währungen nebeneinander existieren und unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen.

Compliance und Anti-Geldwäsche bei Stablecoins

Als Brücke zum traditionellen Finanzsystem unterliegen Stablecoins strengen Compliance-Anforderungen. Know-Your-Customer (KYC) und Anti-Money-Laundering (AML) Prozesse sind Standard bei regulierten Stablecoin-Emittenten. Dies unterscheidet sie von rein dezentralen Kryptowährungen und macht sie akzeptabler für regulierte Institutionen und Regierungen.

Die Blockchain-Transparenz von Stablecoins bietet zusätzliche Überwachungsmöglichkeiten. Transaktionen sind öffentlich nachvollziehbar, was bei Verdacht auf illegale Aktivitäten Ermittlungen erleichtert. Gleichzeitig gibt es Bedenken bezüglich Privatsphäre – jede Transaktion ist dauerhaft auf der Blockchain gespeichert. In der Schweiz, wo Datenschutz hochgeschätzt wird, ist diese Balance zwischen Transparenz und Privatsphäre ein wichtiges Diskussionsthema.

Technische Innovation: Programmierbares Geld

Ein oft unterschätzter Aspekt von Stablecoins ist ihre Programmierbarkeit. Als Token auf Smart-Contract-Plattformen können Stablecoins in komplexe automatisierte Prozesse integriert werden. Zahlungen können an Bedingungen geknüpft werden, automatisch aufgeteilt oder zeitgesteuert ausgeführt werden. Dies eröffnet völlig neue Möglichkeiten für Geschäftsmodelle und Finanzdienstleistungen.

Beispiele umfassen automatische Gehaltszahlungen in Stablecoins, Streaming-Zahlungen für kontinuierliche Dienstleistungen, oder Escrow-Lösungen ohne Intermediäre. Schweizer Fintech-Unternehmen experimentieren mit diesen Konzepten und entwickeln innovative Produkte. Die Kombination aus schweizerischer Präzision und Blockchain-Technologie könnte zu weltweit führenden Lösungen in programmierbaren Finanzen führen.

Risiken und Herausforderungen für Stablecoins

Trotz ihrer Vorteile sind Stablecoins nicht ohne Risiken. Konzentrationsrisiken bei den Emittenten, potenzielle Probleme mit Reserven, regulatorische Veränderungen und technische Schwachstellen sind reale Gefahren. Der Zusammenbruch eines großen Stablecoins könnte systemische Auswirkungen auf das gesamte Krypto-Ökosystem haben, ähnlich einer Bankenkrise im traditionellen Finanzsektor.

Transparenz und regelmäßige Audits sind entscheidend, um Vertrauen aufrechtzuerhalten. Nutzer sollten verstehen, wie ihre Stablecoins besichert sind und welche Garantien bestehen. Diversifikation über mehrere Stablecoins kann sinnvoll sein, um Emittentenrisiko zu reduzieren. Die Schweizer Krypto-Community legt Wert auf Aufklärung und informierte Entscheidungen – "Vertrauen ist gut, Prüfung ist besser" gilt auch für Stablecoins.

Fazit: Die unverzichtbare Infrastruktur von morgen

Stablecoins haben sich als kritische Infrastruktur im Krypto-Ökosystem etabliert und fungieren zunehmend als Brücke zum traditionellen Finanzwesen. Im Jahr 2025 sind sie aus DeFi, Krypto-Handel und internationalen Zahlungen nicht mehr wegzudenken. Die Schweiz, mit ihrer Kombination aus stabiler Währung, innovationsfreundlicher Regulierung und Finanzexpertise, ist ideal positioniert, um eine führende Rolle in der Stablecoin-Evolution zu spielen.

Die Zukunft wird wahrscheinlich eine Koexistenz verschiedener Stablecoin-Modelle sehen: Fiat-besicherte Stablecoins für maximale Stabilität, dezentrale Stablecoins für Autonomie und vielleicht auch CBDCs für staatlich garantierte digitale Währungen. Bei Helvetic Standpunkt werden wir diese spannende Entwicklung weiterhin verfolgen und Sie über die neuesten Trends und regulatorischen Entwicklungen informieren.